Das Rote Meer

Das Rote Meer – Lage, Gliederung und Anrainer

Ein schmales, 2240 km langes, bis 2604 m tiefes Nebenmeer des Indischen Ozeans zwischen Nordost-Afrika und der Arabischen Halbinsel. Der Rauminhalt des Meeres beträgt 200.000 km³. Zum Roten Meer gehören: Der Golf von Sues (nordwestlicher Teil) mit der Verbindung durch den Sueskanal zum Mittelmeer. Der Golf von Suez ist ägyptisches Hoheitsgebiet.
Der Golf von Aqaba (nordöstlicher Teil) dieser wird von folgenden Anrainerstatten umschlossen: Israel (Stadt Eilat), Jordanien (Stadt Aqaba), Saudi-Arabien und Ägypten.
Bab al-Mandab ist die Meerenge im Süden zum Golf von Aden bzw. zum Indischen Ozean. Hier sind die Anrainer: Eritrea, Dschibuti und Jemen. Ein weiterer Anrainerstaat zum Roten Meer ist der Sudan.

Geologie

Das Rote Meer markiert eine geologisch hochaktive Spreizungszone mit aufquellendem Magma (analog dem Mittelatlantischen Rücken) und bewirkt dadurch das Auseinanderdriften der Afrikanischen und der Arabischen Platte seit 130 Millionen Jahren. Die Ausbildung einer Senke verdeutlichte sich „erst“ vor 38 Millionen Jahren im Oligozän, setzt sich im Ostafrikanischen Graben fort und wird in vielen Millionen Jahren zu einem neuen Ozean führen. Zurzeit wird das Meer jedes Jahr im Norden um 0,8 cm, im Süden um 1,6 cm breiter. Nach mehrfacher Isolierung vom Indischen Ozean, vorübergehender Verbindung mit dem Mittelmeer und sogar Austrocknung erreichte das Rote Meer seinen jetzigen Zustand erst vor knapp 5000 Jahren.
Zum Indischen Ozean, genauer gesagt zum Golf von Aden, verengt sich das ansonsten bis 360 km breite Meer bei Bab al-Mandab (arab.: „Tor der Tränen“) auf nur noch 29 km und ist mit dem Arabischen Meer verbunden, das ein Teil des Indischen Ozeans ist. Zudem liegt an dieser Enge der Meeresboden nur 130 m unter dem Wasserspiegel. Diese Schwelle behindert den Wasseraustausch enorm, was zur Folge hat, dass das Rote Meer einen ungewöhnlich hohen Salzgehalt von 4,2 %, also 42 g/l, (normal ~ 3,5 %; in der Nordsee bei Sylt 3,0 % bis 3,2 %) und relativ wenige Nährstoffe aufweist. Dadurch kommt es wiederum zu vermindertem Planktonwachstum, was Taucher wegen der oft ausgezeichneten Sichtweite zu schätzen wissen, auch wegen über 2000 km Korallenriffen. Neben Korallengärten und -wänden ziehen einige berühmte Wracks die Unterwasserfreunde an. Von gelegentlich auftretenden Wasserzuflüssen durch Wadis abgesehen ist es das einzige Meer, in das keine Flüsse münden. Dies erklärt zudem die gute Sicht unter Wasser, da sich im Wasser wenige Schwebstoffe befinden. An der Schwelle bei Bab al-Mandab steigt 16 °C kühles Tiefenwasser aus dem Golf von Aden auf, was eine biologische Barriere für manche Arten darstellt. Bereits in der Antike gab es verschiedene Kanalprojekte, welche das Mittelmeer mit dem Roten Meer verbanden. Der im 19. Jahrhundert fertiggestellte Sueskanal ist die aktuelle künstliche Verbindung zwischen dem Roten Meer und dem Mittelmeer.

Namensgebung

Die Namensgebung stammt aus dem althergebrachten System der Bezeichnung von Himmelsrichtungen durch Farben. Zuerst ist der Name zur Zeit der Achaimeniden bezeugt. In Bezug auf dieses iranische Volk lag das rote Meer im Süden, der durch die rote Farbe symbolisiert wurde. Also bedeutet rotes Meer für Achaimeniden „Südsee“ (und das Schwarze Meer „Nordsee“). Herodot nannte das „südliche Meer“ im Zusammenhang mit dem Kanalbau des Necho II. auch den „arabischen Meerbusen“. Die Distanz der späteren Kanalerweiterung, die in mehreren Windungen vom Isthmus bei Ismailia bis zum Ende des schmalen Meerstreifens bei Sues in den „arabischen Busen“ führte, gab Herodot mit 1.000 Stadien an. Herodot fügte hinzu, „dass der arabische Busen das ist, was man auch das rote Meer nennt“.
Strabo referiert in seiner Geographica die Ansichten des Agartharchides zu diesem Namen: Rote Erde auf der Ostseite des Meeres, Berge auf der Westseite sind durch die Sonne rot verbrannt sowie die Rotfärbung des Meeres durch die aufgehende Sonne. Die Namensgebung durch Erythras, Sohn des Perseus, Porphyrstaub, der ins Meer gewaschen wird.
Immer wieder wird zur Namenserklärung die Blaualge Trichodesmium erythraeum mit ihrer rötlich-orangen Chlorophyll-Variante herangezogen. Während periodisch auftretender Algenblüten kann sie ganze Teppiche an der Wasseroberfläche ausbilden. In Reisehandbüchern erschöpft man sich zudem des Öfteren über den rötlichen Schimmer des Meeres und Bergketten beim Sonnenaufgang.
Möglich auch, dass die Bezeichnung „Rotes Meer“ von einer fehlinterpretierten Übersetzung aus dem Altgriechischen stammt. Die alten Griechen bezeichneten die Gebiete südlich von Oberägypten „Erythraia“ (erythros = altgr. rot), wahrscheinlich wegen der Rotfärbung der dortigen Erde und des dort häufig vorkommenden roten Sandsteins. Das Erythräa vorgelagerte Meer wurde demnach das „Erythräische Meer“ genannt, ein Terminus, der später auch auf das heutige „Rote Meer“ ausgedehnt wurde. Die Römer übersetzten die Bezeichnung wortwörtlich „erythros“ mit „rot“. Das heutige Land Eritrea wurde nach der italienischen Schreibung dieses Wortes benannt.
Eine weitere Erklärung geht auf das Volk der Himjaren zurück, das in der Antike im südwest-arabischen Raum herrschte. Himjar ist auf das Wort „chumr“ zurückzuführen, das mit „rot“ oder „die Roten“ übersetzt werden kann. Dementsprechend wurde aus dem „Meer der Himjaren“ das „Meer der Roten“. Im Laufe der Zeit wurde daraus „Das Rote Meer“. Im frühen 16. Jahrhundert war es üblich, das Rote Meer auf Seekarten rot einzufärben.

Biologische Vielfalt

Vorherrschend sind Saumriffe nur wenige dutzend bis hunderte Meter vor der Küste oder in Inselnähe. An einigen wenigen flachen Stellen erheben sich Fleckriffe, wie im Nordosten von Hurghada, vor Safaga, südlich von Ras Ghalib (auch Marsa Ghalib, Port Ghalib) – wie das Elphinstone-Riff – und südlich von Marsa Alam. Ferner gibt es drei Riffgruppen weit vor der Küste, die von tiefem Wasser umgeben sind: nordöstlich von Al-Qusair (auch El Quseir) die Brother Islands (Al-Akhawein), südöstlich von Marsa Alam das Daedalus Riff (Abu el-Kizan) und an der Grenze zum Sudan, auf der Höhe von Al Shalaten, St. Johannes-Insel (Geziret Zabargad) und Rocky Island. Auf Grund der topographischen Verbreitungsbarrieren und besonderen ökologischen Situation mit stark wechselnden Bedingungen entwickelte sich eine Spielwiese der Evolution und viele Arten kommen endemisch vor. Aber es finden sich auch fast alle Arten aus dem gesamten Indopazifik, wenngleich die Faunenzusammensetzung ungewöhnlich stark differiert. Man findet Schildkröten, seltener den Weißspitzen-Hochseehai, Weißspitzen-Riffhai, Grauen Riffhai und Manta. Die raren Walhaie kommen meist nur in relativ kleinen Exemplaren von max. 5–6 m vor, die kaum noch zählbare Population der Gabelschwanz-Seekühe scheint vor dem Zusammenbruch zu stehen. Nicht vergessen sollte man in der Aufzählung Napoleon-Lippfische, Büffelkopf-Papageifische (beide werden zuweilen verwechselt), Doktor-, Kaiser-, Rotfeuer-, Kugel- und Igelfische, Blaupunktstachelrochen, Kraken und viele mehr. Muränen, teils außerordentlich große Exemplare, sieht man vor allem Ende August bis Anfang September (vermutlich die Laichzeit) ungewöhnlicherweise auch tagsüber in freiem Wasser dahinschlängeln. Auffallend ist insgesamt die geringere Artenvielfalt als in tropischen Gebieten. Häufig trifft man bei Bootsfahrten, in seltenen Glücksfällen beim Schnorcheln und Tauchen auf den Großen Tümmler und den Spinner-Delfin. Die Artenvielfalt der Vögel ist naturgemäß gering, von einigen Kulturfolgern abgesehen. Trotzdem finden sich einige ornithologisch interessante Vertreter. So lassen sich Palm- (Streptopelia senegalensis, engl. Laughing Dove) und Türkentauben (Streptopelia decaocto, engl. Collared Dove), die Große Raubseeschwalbe (Sterna caspia, engl. Caspian Tern) und die Rußseeschwalbe (Sterna fuscata, engl. Sooty Tern) sehen. Der Küstenreiher (Egretta gularis, engl. Western Reef Heron, bis 55 cm) präsentiert sich in einer schwarzen, einer weißen und einer Mischversion, ferner sind Strandläufer (engl. sandpiper) und Sperber (Accipiter nisus, engl. Sparrowhawk) zu beobachten. Vor allem im nördlichen Bereich des Roten Meeres können die ebenfalls raren Eisvögel (Alcedinidae, engl. kingfisher) an der Meeresküste beim Sturzfischen gesichtet werden, während der Afrikanische Schwarzstorch (Ciconia nigra, engl. Black Stork) sich eher im südlichen Teil sehen lässt. Eine Besonderheit ist die endemische Weißaugenmöwe. Mit Glück sind Fischadler (Pandion haliaetus, bis 50 cm; rüttelt manchmal wie ein Bussard über dem Riff) mit auffallend weißer Unterseite bei der Jagd über dem Riff zu beobachten. Wer Anfang bis Mitte Oktober in dieser Gegend weilt, kann den Flug von unzähligen Zugvögeln nach Süden beobachten – ein atemberaubendes Schauspiel. Über Nacht sind dann oft sämtliche Bäume der Umgebung besetzt. Retour geht es wieder Mitte bis Ende März.