Die Beduinen


bedouin-men-sing-play-instruments_11947_600x450Namensgebung

Das arabische badaw „nicht sesshaft“, „nomadisch“ bezeichnet einen nomadischen Wüstenbewohner (arabisch: al-bdiya, „Steppe, Wüste“) der syrischen Wüste, der arabischen Halbinsel, Teilen der Sahara, des Sinai und des israelischen Negev. Das Wort badaw wird als Eigenbezeichnung von den Beduinen gewöhnlicherweise gar nicht benutzt. Sie selbst nennen sich arab im Gegensatz zu den Sesshaften (Nichtnomaden). Darauf wiederum geht der Begriff zur Abgrenzung zu den Beduinen, nämlich Fellache („Spalter, Pflüger“) zurück. Die Beduinen sind Araber und folgen in großer Mehrheit dem Islam. Sie betrachten Ismael als ihren Stammvater.

Geschichte

Nach Afrika gelangten arabische Beduinen nachweislich bereits während des ersten vorchristlichen Jahrhunderts: 46 vor Christus erbeuteten die Römer von Beduinen in Nordtunesien 22 Dromedare. Rund 400 Jahre später bildeten berittene Kamelnomaden eine ständige, ernstzunehmende Bedrohung für die römischen Afrika-Provinzen. In der Moderne wird die Lebensart der Beduinen zunehmend bedroht, insbesondere durch feste Grenzziehungen, staatliche Programme zur Ansiedlung (mit festem Wohnsitz) und die zunehmende Wasserknappheit. Genauere Berichte über die Geschichte der Beduinen des Negev liegen uns erst mit den wissenschaftlichen Arbeiten der Palästina- und Arabienreisenden des frühen 19. Jahrhunderts vor. Der Zentral-Negev wurde damals von der weit verstreuten Konföderation der Azazmih bewohnt. Im Norden und Nordwesten grenzte ihr Gebiet an den Stamm der Tiyaha, mit dem sie politisch alliiert waren und im Westen an den Stamm der Tarabin. Die Tarabin erstreckten sich von der Region um Suez durch den nördlichen Sinai bis hin nach Gaza. Aufgrund der Kargheit ihres Landes gehörten sie zu den ökonomisch schwächsten Beduinenstämmen Südpalästinas.
Die Gbarat, welche aus dem saudi-arabischen Hijaz an das Mittelmeer vordrangen, wurden von den Tarabin, die durch Gaza wanderten, in das Wadi al-Hisi verdrängt. Im Gebiet von Gaza lebten, ihrer Überlieferung nach, schon immer die Hanagrah.
Ein Reisender des mittleren 19. Jahrhunderts berichtete vom Stamm der Gahalin, der ca. 150 Krieger umfasste und südöstlich von al-Halil (Hebron) bis hin zum Toten Meer lebte. Der Stamm besaß einige Pferde, etwa 200 Kamele und relativ viel Kleinvieh, betrieb extensiven Ackerbau und legte seine Felder in verschiedenen Wadi’s an. Politisch waren die Gahalin zur Zeit der osmanischen Verwaltung steuerpflichtig, besaßen jedoch noch all ihre Waffen und unternahmen ausgedehnte Raubzüge. Bis zur Befriedung durch die Osmanen 1870 waren die Beduinen Vollnomaden und die Zucht von Kamelen und Ziegen bildete ihre Lebensgrundlage. St. CatherineSie kontrollierten die Gebiete bis hin nach Jerusalem, Hebron, Gaza, Jaffa, Ramallah und Lod. Auf den Märkten tauschten sie Tiere und tierische Produkte gegen Getreide und andere Güter. Durch ihr Stammesgebiet führten die Heer- und Handelsstraßen von Ägypten, entlang der Mittelmeerküste des Sinai und Palästinas, durch den Nord-Negev bis hin nach Syrien und Jordanien. Hier verliefen auch die christlichen Pilgerstraßen nach Jerusalem und dem Katharinen-Kloster (Sinai) sowie die muslimischen Pilgerstraßen nach Mekka und Medina. Beduinen kontrollierten den Salzhandel vom Toten Meer und aus dem Sinai zu den Märkten nach Gaza, Nablus und anderen Städten sowie den Getreidehandel aus dem Nord-Negev nach Hebron, Nordpalästina, Gaza und Ägypten. Sie boten Reisenden gegen entsprechendes Entgelt Geleitschutz und forderten Wegezölle sowie Tributzahlungen von sesshaften Bauern. Auch Raubzüge gegen andere Stämme oder Plünderungen der Dörfer in dicht besiedelten Gebieten bildeten, beson­ders in Notzeiten, wichtige  Einkommensquellen. Trotz der Okkupation der Osmanen gelang es vielen arabischen Provinzen ihre relative Unabhängigkeit zu bewahren. Steuern an die Staatsmacht wurden selten entrichtet, und die osmanische Administration konnte sich nur durch Bestechung, Wortbrüche, gelegentliche Morde, sowie das Gegeneinanderausspielen rivalisierender Scheichs einen geringen Einfluss verschaffen. In der kurzen Herrschaftsperiode der Ägypter (1831 – 1840) rühmte man sich, »die Araber mittels Enthauptungen beherrschen zu können« (ibid). Es gelang der neuen Verwaltung, schwächere Beduinenstämme steuerpflichtig zu machen und teilweise zu entwaffnen. Die mächtigeren Konföderationen des Negev wie die Tiyaha, Dullam (Zullam) und andere, setzten sich jedoch immer noch mit Erfolg zur Wehr. Nach dem Rückzug der Ägypter wurden auch diese von der, nun an europäische Vorbilder anknüpfenden, osmanischen Zentralverwaltung unterworfen.
Ein weiteres Bestreben der Befriedungspolitik war, die Beduinen, welche die Einhaltung der religiösen Pflichten eher als Sache der (verachteten) Fallachin ansahen, als treue Muslime zu gewinnen. Die Briten setzten zwischen 1917 und 1948 ihre Politik der Entmachtung fort und rekrutierten eine recht ‚erfolgreiche’ Beduinenpolizei zur Kontrolle der eigenen Bevölkerung.
Modernisierungen im Transportwesen, insbesondere durch die Eröffnung des Suezkanals 1869, den Bau von Eisenbahnen und das Aufkommen von Automobilen bzw. Lastwagen, brachte den Karawanenverkehr mit der Zeit völligen zum Erliegen und ließ die Kamelzucht unrentabel werden. Somit verloren die Beduinen seit Mitte des 19. Jahrhundert nach und nach ihre Einkünfte aus Wegezöllen, Tributzahlungen, Plünderungen und Raubzügen. Die kontinuierliche Ansiedlung jüdischer Immigranten, die seit Beginn des 20. Jahrhunderts einsetzte, beschränkte vor allem im Nord-Negev die Weidegebiete mehr und mehr. Mit der Errichtung der Grenzen zu Ägypten und Jordanien, erfuhr die Bewegungsfreiheit der Beduinen eine weitere Beschränkung .
Aller wichtigen Einkommensquellen beraubt, begannen die Beduinen seit Mitte des 19. Jahrhunderts Landwirtschaft zu betreiben. Diese kontinuierliche Entwicklung vom Nomadismus zum Halbnomadismus fand etwa mit Ende der britischen Mandatszeit (1948) ihren Abschluss.
Die Negev-Beduinen des mittleren 20. Jahrhunderts gehören nicht mehr dem Typus der reinen Kamelzüchter an, sondern mehrheitlich zu Kleinviehzüchtern, die noch einige wenige Kamelen als Last- und Reittiere hielten; sie betrieben Ackerbau und wurden von den Briten und von jüdischen Siedlern zum Bau von Kasernen, Flugplätzen, Straßen, als beritten Polizei und zu Erntezeiten in den landwirtschaftlichen Siedlungen eingesetzt.
Mit der Staatsgründung Israels 1948 setzte eine große Vertreibungs- und Fluchtwelle in Richtung der angrenzenden Länder ein. Die Gbarat und Hanagrah zogen geschlossen in den Gazastreifen, die Azazmih und Tarabin überwiegend in den Sinai. Von den 65.750 Beduinen und 95 Stämmen blieben nur ca. 11.000 Personen und 19 Stämme zurück (Biasio 1998: 23), die zwischen 1951 und 1966 im Reservatsgebiet zwischen Beersheva und Arad unter Militärverwaltung gestellt wur­den.
Dieses auf dem Territorium der Tiyaha-Stämme liegende Reservat von 1100 km², betrug noch ca. ein Zehntel des ehemaligen Wüsten- und Weidelandes und konnte nur mit einem Erlaubnisschein der Militärbehörde verlassen oder betreten werden. Israel begründet(e) diese Umsiedlung mit Sicherheitsgründen und besse­ren Kontrollmöglichkeiten. Das frei gewordene Land konnte von da an mit jüdi­schen Immig­ranten besiedelt werden. ‚Regiert’ wurden die Beduinen durch Scheichs, von denen man diejenigen begünstigt(e), die dem Staat gegenüber beson­ders loyal eingestellt waren.
Die zwangsweise Ansiedlung stellte für die Fallahin und ´Abid noch ein geringeres Trauma dar als für die »echten« Beduinen, die als ehemalige Herren der Wüste hiermit zu landlosen Siedlern ‚degradierten’.

Lebensweise

Beduinen leben hauptsächlich von der Viehzucht. Unter anderem züchten sie Dromedare, Schafe und Ziegen, für die sie in der Wüste und vor allem in den Randzonen der Wüsten Weideplätze suchen. Beduinen schlachten ihre Dromedare nur zu seltenen Anlässen. Es verbindet sie Respekt und Liebe mit diesen für sie so wichtigen Tieren. Außerdem hat das Dromedar einen hohen Statuswert. Sie leben meist von Brot, Milch, Käse, Gemüse, Datteln, Hülsenfrüchten und Oliven. Leben sie am Meer, gehören auch Fisch und Meeresfrüchte zur Tafel. Ihre Tiere (Ziegen, Schafe, usw.) werden meist nur zu besonderen Anlässen geschlachtet und stellen ein wahres Festmahl dar. Sie benutzen nur ihre rechte Hand zum Essen. Ihre linke Hand gilt, wie bei den meisten islamischen Völkern, als unrein, weil diese Hand zur Reinigung benutzt wird. Die Kleiderordnung ist klar geregelt. Männer und Frauen tragen ihre Kleider und Tücher in traditionell vorgegebenen Farben. Es ist für Männer und Frauen unschicklich, nackte Haut zu zeigen.
In einigen Gebieten wie Ägypten oder Sinai leben Beduinen vom Tourismus, den sie bei Globetrottern durch ihre Gastfreundschaft ins Leben riefen und danach entweder für Veranstalter arbeiteten oder eigene Feriencamps, z. B. in Mahash, Nuweiba, Dahab gründeten. Beispielsweise an den ursprünglichen Stränden im Sinai sind seit den späten 1980ern selbstverwaltete Beduinen-Camps entstanden, die von Gästen aus der ganzen Welt besucht werden. Außerdem arbeiten Beduinen als Führer für Studienreisen oder Wüstentrips. Diese Einnahmequellen werden jedoch zunehmend erschwert durch Landverkauf, Verdrängung durch internationale Veranstalter und staatliche Stellen oder Anschläge im Urlaubsgebiet.
Die arabisch sprechenden Beduinen sind nicht mit dem berbersprachigen Volk der Tuareg in Nordafrika zu verwechseln. Auch die Bedscha sind traditionell Beduinen.

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Stammeswesen

Beduinen sind bis heute eng verknüpft mit ihrem jeweiligen Stamm, dessen Patriarchen und Scheichs sie oft bis in lang zurückliegende Jahrhunderte hinein nennen können. Einige führen ihren Stammbaum bis auf den Propheten Mohammed zurück. Zwistigkeiten betreffen nicht nur die Streitenden, sondern den gesamten Stamm und werden notfalls bei einem Gericht geklärt, dem die Scheichs des jeweiligen Stammes vorsitzen. Auch für eine Hochzeit ist wichtig, dass die Brautleute aus dem gleichen oder zumindest aus einem befreundeten Stamm kommen. Bei den meisten Beduinen ist bis heute die Heirat mit der Cousine sehr verbreitet.

Die Beduinen des Südsinai

Die Beduinen des Südsinai sind traditionell in sieben Stämme eingeteilt und stammen von den Nomaden ab, die einst auf der Halbinsel unterwegs waren. Sie alle haben eine besondere Kultur, die auf unterschiedlichen Entstehungssmythen und speziellen Sitten und Gebräuchen basieren. Als achter Stamm kommen die Jebaliya hinzu, die in St. Kathrin und den benachbarten Gebieten leben. Die 3 500 Mitglieder dieses Stammes stammen von osteuropäischen Christen ab, die bis heute für die Mönche von St. Kathrin arbeiten. Ihre ursprüngliche Aufgabe war die Mithilfe beim Bau des Klosters, danach blieben sie in der Umgebung und sorgten für den Schutz des Klosters und der Mönche vor Überfällen. Im Laufe der Zeit haben sich die Jebaliya mit Mitgliedern aus den Nachbarstämmen vermischt. Mit Ende des 17ten Jahrhunderts sind sie zum Islam übergetreten. Ihre Beziehung und ihre Treue zum Kloster ist heute noch ein großer Teil ihrer Identität und Tradition.

Stammesaufbau, Herrschaftsgefüge

Je nach Abstammung unterscheidet sich das Leben im Beduinenstamm. In der Regel teilt sich jeder Stamm nochmals in mehrere große Familienclans auf. Die Stämme werden von einem Sheikh geführt, der aus einer der einflussreicheren Familien hervorgeht. Dieser Mann repräsentiert seinen Stamm bei regionalen Treffen und nationalen Angelegenheiten. Neben seiner Rolle als Repräsentant fühlt sich der Sheikh auch verpflichtet, sein eigenes Vermögen in die Gemeinschaft einzubringen, um so das wirtschaftliche Überleben des Stammes zu garantieren. Dabei denkt er auch besonders an das Wohlergehen und die Sicherung des Lebensunterhalts der ärmeren Stammesmitglieder. Jeder Stamm besitzt eigene Rechtsberater, die aufgrund ihrer Klugheit oder ihrer sozialen Position ausgewählt wurden. Wenn in der Gemeinschaft Konflikte entstehen, treten diese Mittelsmänner als Schiedsrichter auf und lösen die Probleme nach traditionellen, mündlich überlieferten Stammesregeln.
Kleidung und Gebräuche: Die Galabaia (bodenlanges Gewand) und die Kuffyya (Kopftuch), mit der ’Agal (schwarze Kordel) sind Markenzeichen des Beduinen. Im Herbst wird diese Kleidung oft durch einen Baltu (Jacke), im Winter durch eine ’Abia (Mantel aus Wolle oder Kamelhaar) ergänzt.
Beduinenfrauen verhüllen ihr Haar mit einer perlenbestickten, schwarzen Tarha (Schleier). Sie tragen die Kopfbedeckung auch beim Essen und wenn sie sich mit jemandem unterhalten. Ihre langen, bunten Kleider sind bedeckt von einer schwarzen Tuba (leichter Umhang). Früher verhüllten sie ihr Gesicht komplett mit einem kunstvoll bestickten Gesichtsschleier, der nur die Augen unbedeckt ließ.